Open St. Veit/Glan 2016

Alle Jahre wieder strömen Schachbegeisterte aus aller Herren Länder ins kleine Städchen Sankt Veit an der Glan, um sich mit Gleichgesinnten im Spiel der Könige zu messen. Und wie es bereits in den letzten Jahren zur Tradition wurde, war auch heuer wieder ein kleiner Expeditionstrupp des Ej. Gleisdorf (wie unser Verein nun neuerdings heißt) vor Ort. Dieser bestand aus:

Thomas Manhardt (5/9, Rang 28 im A- Turnier)

Franz Amtmann (5.5/9, Rang 35 im B-Turnier)

sowie die aus Maximilian Ofner (2154/A-Turnier), Felix Bloder (1860/B), Dominik Prem (1848/B) und Philipp Hörmann (1056/B) zusammengesetzte Junggarde, um deren Leistungen sich dieser Bericht im Folgenden nun hauptsächlich drehen wird.

Runde 1 – 3

Für die meisten von uns begann das Turnier planmäßig: Mäx, Felix sowie der Gegner von Philipp wurden ihren Favoritenrollen gerecht und siegten im Auftaktspiel. Der einzige, der bereits in der ersten Runde für Aufsehen sorgte, war Dominik. Gegen seine sieben Jahre alte Gegnerin kam er nicht über ein Remis hinaus, weshalb er nach der Partie von einem kühlen blonden Gösser getröstet werden musste.

Der nächste, der sich hervortat, war Mäx, als er am darauffolgenden Sonntag in Runde 2 GM Cebalo Miso mit den schwarzen Steinen einen halben Punkt abnahm. Dieser Erfolgslauf wurde wenige Stunden später in der dritten Runde fortgesetzt, als er gegen das österreichische Schachurgestein Danner Georg ebenfalls eine Punkteteilung erspielte.

Das Zwischenfazit nach dem ersten Drittel des Turniers fiel schließlich für uns alle durchwegs positiv aus: Mäx spielte mit 2 aus 3 auf den vorderen Plätzen mit, Dominik wurde mit einem Sieg und zwei Remisen den Erwartungen gerecht, Felix durfte sich mit 1.5 Punkten auch nicht allzu sehr beklagen (was er natürlich trotzdem tat), und selbst Philipp mit 0 aus 3 konnte sich zumindest damit trösten, gegen bis zu 650 Elo stärkere Gegner immer mindestens 40 Züge lang durchgehalten und keine einzige Figur einzügig eingestellt zu haben.

Runde 4-6

In Runde 4 zeigte Dominik, dass seine Herzensgefühle nicht nur dem Schachsport gelten. Denn kaum sah er sich auf dem Brett einer ansehnlichen Blondine gegenüber, schien ihm die zuvor gründlich einstudierte Eröffnungstheorie restlos entglitten zu sein…

Und so kam es, dass wir alle vier in dieser Runde remisierten. Mäx nahm seiner Form entsprechend wieder einem FM einen halben Punkt ab, und selbst Philipp auf den hinteren Brettern konnte durch ein starkes Mittelspiel gegen einen 300 Elo stärkeren Jugendspieler erstmals anschreiben.

24 Stunden später gab es dann für unseren Mäx den ersten Tiefschlag, als er gegen den 2271 Elo starken Weiß Oliver in Runde 6 ein Remisangebot ablehnte, um 2 Züge später festzustellen, dass er fetzenhin ist und folglich sang- und klanglos vom Brett gewischt wurde…

Dem gegenüber steht die Partie, die zeitgleich am Abend des 13.7.2016 auf den hinteren Brettern des B-Turniers zwischen Philipp Hörmann (1056) und WMK Almert Margit (1536) ausgefochten wurde. Da diese Partie zumindest in erlauchtem Kreise einen Legendenstatus einnehmen dürfte, sei sie an dieser Stelle etwas hervorgehoben:

Philipp wählte das Schottische Springerspiel als Eröffnung, und konnte seine in den ersten Zügen etwas unkonzentriert spielende Gegnerin bereits im vierten Zug um den e-Bauern erleichtern. Statt sich diesen verlorenen Bauern zurückzuerobern, entschied sich die Dame an den schwarzen Steinen jedoch dazu, eine Offensivwelle von noch nie vorhanden gewesener Dimension loszutreten: Die schwarzen Steine rannten mit solcher Brutalität gegen die weiße Bauernmauer an, dass es in der ganzen Turnierhallte zu beben schien. Der weiße Königsflügel war dermaßen von den schwarzen Horden übersäht, dass man sich tief in der Nacht glauben konnte, so finster war es dort auf dem Brett. Und doch bewerkstelligte es Philipp immer wieder auf seine gewitzte Weise, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen und sämtliche Springergabeln, Fesselungen und Matt in Zwei- Drohungen ins Leere laufen zu lassen.

Schließlich gelang es ihm gar, sämtliche Figuren abzutauschen, weshalb der anfangs  so nebenbei eroberte Bauer nun eine  äußerst gewichtige Rolle spielte. Dies verleitete seine Gegenspielerin, die an sich knapp ein Drittel mehr Elopunkte als Philipp vorzuweisen hatte, sogar dazu, sich zu einem Remisangebot herabzulassen, das auszusprechen sie sichtlich Überwindung kostete. Doch Philipp behielt trotz der nun für ihn ungewohnten Situation (=ausnahmsweise mal die bessere Stellung zu haben) die Nerven, ignoriete das Remisangbot mit lässiger Miene und machte sich daran, seinen Mehrbauern kontinuierlich Richtung Reihe 8 zu schieben. Als dieser kurz vor dem Einzug stand, visitierte Philipp noch einmal die sanitären Anlagen, um sich das mentale Rüstzeug für den bevorstehenden Finalkampf anzulegen. Bei der Rückkehr zum Brett fiel jedoch die gesamte Anspannung, die sich in ihm über die letzten Stunden hinweg aufgebaut hatte, schlagartig von ihm ab: Denn die Figuren waren wieder in ihre Ausgansposition gestellt worden, das Partieformular unterzeichnet, und seine Gegnerin hatte heimlich das Weite gesucht…

Und so kam es, dass unser spätberufener Philipp in seiner exakt 20sten offiziellen Schachpartie mit dem Sieg über eine Titelträgerin den bislang größten Triumph seiner Karriere feierte.

Fazit nach Runde 6: Philipp im Freudentaumel, Dominik und Felix nach 3 bzw. 3 1/2 Punkten etwas am Jammern, und Max mit 3 1/2 Punkten im satten Eloplus.

Runde 7-9

Einen besonderen Vorsatz fasste sich Felix für Runde 7: „Ich spiel heute schon wieder gegen einen 150 Elo schlechteren Gegner. Das muss ich endlich ausnützen wieder mal gewinnen.“

Nach dem dritten Zug bot er schließlich Remis, das sein Gegner dankend annahm, und im weiteren Verlauf des Abends analysierten die beiden ihre überaus komplexe Partie noch drei Stunden lang.

Zeitgleich spielten sich im A-Turnier auf Brett 20 tumultartige Szenen ab: Denn dort spielte Mäx gegen einen gewissen Walter Elpons (1968 Elo stark). Falls sich nun jemand unter der Leserschaft fragen sollte, wer zur Hölle den dieser Walter Elpons ist, dem braucht diese Unwissenheit nicht peinlich zu sein. Denn bislang erstreckte sich der Bekanntheitsgrad von Walter E. wohl ziemlich genau bis ans Ende vom Thresen im Gasthaus Roschitz. Doch dies sollte sich mit dieser Partie ändern. Sie wurde so legendär, dass sie von zufällig anwesenden nordischen Dichtern bereits zu einem Heldenepos verarbeitet wurde:

Elpons W. gegen Ofner M. hieß das Duell an diesem Tage,
und Mäx wollte gewinnen, keine Frage!
Denn der Walter war doch ein äußerst Unbekannter hier,
und hatte obendrein 200 Elos weniger auf dem Papier.
Doch dieser Kerl ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen,
und verkündete im Vorfeld stolz, Mäx einen Punkt abzuringen.
Gelassen gönnte er sich vor dem Spiel noch einen Spätburgunder,
und auch Mäx erlebte dann ein blaues Wunder.
Kurz nach dem Beginn,
war er nämlich schon Fetzen hin!!
Ohne recht zu wissen wie ihm da geschah,
war der vormals unbekannte Walter dem Sieg schon äußerst nah.
Denn er spielte einfach wohl üblerlegt,
und die schwarzen Steine wurden Reih um Reih vom Brett gefegt.
Letzten Endes war gar der schwarze Springer ganz allein,
im Kampf gegen vier weiße Bäuerlein.
Viele glaubten nun ans Ende.
Doch Mäx bot Walter weiterhin die Stirn behände.
Und kurz vor der Siegerweih‘,
kam Mäx´ König gar noch auf die erste Reih‘!
Walter jedoch übersah,
die ihm nun drohende Gefahr.
Nach dem nächsten Zug war er dann sichtlich irritiert,
denn Mäx hatte ihn beinhart ins Dauerschach manövriert!

Da auch Philipp wieder remisiert und Dominik gar ausnahmsweise mal gewonnen hatte, wurde spät nachts noch eine edle Flasche schottischen Whiskeys geköpft…

Die beiden letzten Runden waren schließlich weniger berauschend: Sowohl Philipp als auch Dominik gelang nur mehr ein halber Punkt, Felix spielte, wie eigentlich eh schon das ganze bisherige Turnier, gegen deutlich schlechtere Gegner ständig Remis, und nur Mäx konnte mit 1.5 Punkten weiter an seiner guten Leistung anknöpfen.

Fazit

Mäx: Er gab sich keine Blöße, zeigte durchwegs auch gegen deutlich höher gesetzte Gegner starke Leistungen und stellte einmal mehr unter Beweis, dass er wohl mal vor seinen Enkelkindern mit dem Fidemeistertitel wird prahlen können. 5.5/9 –> Rang 19

Felix: Er stellte in diesem Turnier einmal mehr unter Beweis, dass er der unumstrittene König des Dampfremis ist. 5/9 (davon 6 Remisen) –> Rang 46

Dominik: Er darf sich nun als frischgebackener 1700er bezeichnen. Denn nach einem Verlust von 49 Elos steht er wieder bei 1799. 4.5/9 –> Rang 65

Philipp: Mit dem Sieg gegen WMK Almert Margit sowie weiteren drei Remis übertraf er sowohl seine eigenen Erwartungen als auch die seiner Kameraden. Dadurch rückte er nun dem GM wieder um satte 56 Elos näher. 2.5/9 –> Rang 124

Dank gilt Philipp Hörmann für den unterhaltsamen Beitrag.
Ergebnisse: chess-results.com

4 Gedanken zu „Open St. Veit/Glan 2016

  1. Danke für den spannenden Bericht. Als Teilnehmer habe ich beim Lesen die Spannung des Turniers noch einmal Hautnah gespürt.
    Eine Richtigstellung muss ich aber doch machen: Das Remis zwischen Felix und mir wurde erst nach einem kleinen Fehler von Felix nach dem 7. Zug von mir angeboten. In der Analyse danach wollten wir beide herausfinden ob dieses Remis ein kleines Geschenk an einen Vereinskollegen war oder nicht. Nach vielen Versuchen wurde klar – ich war zwar im Vorteil, von einem Sieg aber noch weit entfernt. Kein Geschenk – gerecht!

  2. Sehr untergriffig netter Bericht. Kaum zu glauben, dass das freundliche Milchgesicht Philipp der Autor ist… Zwei Daumen hoch

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