Schachfreund Thomas Pöltl verstorben

Wir haben am Montag alle einen Vereinskollegen, viele von uns auch einen Freund verloren. Thomas Pöltl ist am 08. Februar 2016 im Alter von 49 Jahren völlig unerwartet an einem Herzinfarkt verstorben.

Wie soll ich einen Menschen beschreiben, der mich seit beinahe 30 Jahren als Mannschaftskollege, Arbeitskollege und Freund begleitet hat? Ich beginne mit dem einfachen Teil, dem Schachspieler Thomas.

Er war ein Spieler mit einem unglaublich feinen Positionsgespür, einer exzellenten Endspieltechnik und einem unbändigen Kampfgeist, mit dem er gleiche Stellungen weiterspielte aber auch schlechte Stellungen zäh verteidigte. Wer jemals das zweifelhafte Vergnügen hatte, ein schlechter stehendes Endspiel gegen Thomas am Brett zu haben, weiß wovon ich schreibe.

Seinen größten Einzelerfolg erreichte Thomas mit dem Titel des steirischen Landesmeisters vor Kurt Fahrner und Eva Moser. Spieler wie Erich Frosch, Johann Krebs und Hubert Ebner landeten ebenfalls im geschlagenen Feld. Im Schachverein Gleisdorf war er lange Zeit ein fixer Bestandteil der ersten Mannschaft in der Landesliga und der Bundesliga und mehrfacher Gleisdorfer Stadtmeister. Er war einer der ersten Spieler in Gleisdorf mit einer internationalen Elozahl, was zu einer Zeit, in der der Einstiegswert bei 2200 Elo lag, noch weit mehr als heute bedeutete. Eine gewisse Anfälligkeit für taktische Überseher verhinderte noch größere Erfolge von Thomas. Er bildete gemeinsam mit seinem Lieblingspartern Hermann Wilfling auch ein gefürchtetes Tandempaar.

Ab dem Jahr 2006 machte er wegen seiner berufsbegleitenden Ausbildung eine längere Schachpause. Nach dem erfolgreichen Abschluss seines Studiums Anfang 2011 zeigte er in der darauffolgenden Landesligasaison mit 6 Punkten aus 9 Partien, dass er trotz der langen Pause noch ein ausgezeichneter Spieler war. Allerdings war nach dem Studium die bedingungslose Hingabe zum königlichen Spiel verschwunden. In den letzten 3 Jahren wollte Thomas nur mehr als Ersatzspieler zum Einsatz kommen.

Ich hatte das Glück, Thomas in meiner beruflichen Laufbahn 2 Mal als Arbeitskollegen zu haben. In der Arbeit war er ein kompetenter, zuverlässiger und loyaler Mitarbeiter, der am liebsten im Team arbeitete. Er konnte auch für komplexe Probleme mit seinem analytischen Zugang immer Lösungen finden.

Als ich 1990 als 18-jähriger Student nach Graz kam, war Thomas ein wichtiger Teil meines Umfeldes. Ein schachliches Vorbild, auch ein Vorbild im Studium – da er einige Jahre Wissensvorsprung hatte, vor allem aber ein Freund, der hilfsbereit, freundlich und auch sehr geduldig war. Er hatte einen feinen, trockenen teils auch sehr sarkastischen Humor. Manchmal war er aber auch ein sturer Kerl, der sich durch Argumente nicht von seinem Standpunkt abbringen ließ und einen dadurch dazu bringen konnte, die Wände hochzugehen. Möglicherweise aber auch nur deswegen, weil man diese Sturheit von ihm nicht gewohnt war.

Thomas war kein Mensch der großen Worte, er war jemand, der lieber anpackte, statt Dinge zu zerreden. Er war auch einer der Hauptpersonen beim Entstehen von Damentausch, der Zeitschrift für Kunst Kultur und Schachsport, einer Art Sprachrohr vom Schachklub Gleisdorf. Er war auch ein begeisterter Hobbyfussballer, Taucher und gefürchteter Kartenspieler, egal ob Tarock, Preferanzen oder Emma treiben.

Wenn ich ein Ereignis aus Thomas Leben herausnehmen muss, um ihn zu beschreiben, dann war das die Szene bei der Feier zu seinem vierzigsten Geburtstag. Er bekam als Geschenk einen Taucheranzug, allerdings nicht das Original in seiner Größe, sondern ein Exemplar, das 2 Nummern zu klein. Ich habe wirklich keine Ahnung, wie er es bewerkstelligt hat, aber letztendlich hat er den Taucheranzug angehabt, der wirklich wie eine zweite Haut an ihm geklebt ist. Diese Unbeirrbarkeit, Willenskraft und auch gewisse Sturheit hat ihn ausgezeichnet.

Traurigkeit ist nicht ungesund – sie hindert uns, abzustumpfen.
George Sand

Martin Walzl

Graz, 12.02.2016

3 Gedanken zu „Schachfreund Thomas Pöltl verstorben

  1. Danke Martin, für die liebevollen Worte, die Thomas´ Persönlichkeit treffend
    beschreiben. Auch wenn es viele Jahre her ist, dass uns unsere berufliche Laufbahn
    verband, und auch wenn ich persönlich nicht viel private Zeit mit ihm verbrachte, war
    für mich jede Minute in seiner Gegenwart die reinste Freude.
    So waren auch gelegentliche „Ehemaligen-Treffen“, welche gerade aus solchen
    Anlässen wieder sinnvoll und notwendig erscheinen, immer ein Hochgenuss, wenn
    Thomas zugegen war.
    Ich wünsche seiner Familie alle Kraft der Welt, diesen Verlust zu ertragen. Wer kennt nicht das Gefühl, auf einer Wanderung einen schweren Rucksack zu tragen und wie
    viel leichter es auf einmal ist, wenn jemand da ist, der diesen Rucksack ein Stück des Weges anhebt.
    Ich denke, hier im Namen aller seiner Freunde zu sprechen, wenn ich hoffe, dass die Familie spürt, wenn wir in Gedanken helfen, diese Last zu tragen, um den Lebensweg
    zumindest ein Stück weit leichter machen.

  2. Danke an Martin fur die schonen Zeilen, auch fur mich war Thomas ein Langjaehriger Freund und Schachkollege den ich vermissen werde. ‚A little while a moments Rest upon the Wind, and Another Woman shall bear me‘ (Kahlil Gibran)

  3. Danke Martin für Deinen Nachruf.

    Als Schachspieler denken wir voraus und planen unsere Schritte – das Schicksal müssen wir aber annehmen wie es uns bestimmt ist!

    Der Körper ist gestorben – seine Seele aber lebt mit uns, in uns und durch uns weiter.

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