Landesliga: Gleisdorf – Styria

Wie schon in den ersten drei Runden gingen wir auch diesmal aufgrund einiger Ausfälle als klarer Elo-Außenseiter (mehr als 1000 Elo Mannschaftshandicap) in die Begegnung. An den einzelnen Brettern war dieser Unterschied aber nicht zu bemerken, da einige Spieler an diesem Samstag über sich hinauswachsen konnten.

Brett 1 Sandor (2260) gegen Florian Pötz (2427) – 0,5:0,5
Unser ungarischer Gast, dem letzte Runde gar nichts zusammengelaufen war, wirkte wie ausgewechselt und kam druckvoll aus der Eröffnung. Zwar stand sein König auf f1 und der Turm auf h1 schien zu verhungern, doch dies war aufgrund seiner starken Stellung im Zentrum und am Damenflügel nicht entscheidend. „Flo“ hatte sehr schwer zu kämpfen, um Felder für seine Figuren zu finden und musste im späteren Mittelspiel einen Bauern geben, um eine solide Stellung zu erreichen. Danach einigte man sich auf Remis, das aus Sicht von Sandor nie gefährdet war.

Brett 2: Martin W. (2154) gegen Thomas Manhardt (2277) – 0-1
Am enorm starken 2. Brett (Eloschnitt mehr als 2300 Elo) konnte unser Kapitän bislang leider nicht an seine starken Ergebnisse aus dem Vorjahr (u.a. Sieg gegen IM Alvir Aco) anknüpfen, und auch in dieser Begegnung gegen den in jüngster Zeit groß aufspielenden Gleisdorfer Gast kam Martin schon in der Eröffnung schwer unter Druck. Das Läuferpaar und ein umtriebiger Springer hemmten die natürliche Entwicklung von Schwarz so sehr, dass in späterer Folge Material- und Partieverlust nicht mehr zu verhindern waren.

Brett 3: Ich (2091) gegen Siegfried Rohler (2176) – 1:0
Die Eröffnung gegen Sigis Holländer gestaltete ich eigentlich zu einfach. Ich tauschte seinen schwarzen Fianchetto-Läufer, verlor durch diesen Zeitverlust aber enorm Raum im Zentrum und am Königsflügel, aber anstatt dann mit f4 seinen Angriff weiter zu forcieren und zumindest viel aktiver zu stehen, schenkte mir mein Gegenüber die Tempi durch einen Damentausch zurück. Danach hatte ich das viel einfachere Spiel am Damenflügel. Aufgrund schon sehr früher Zeitnotprobleme konnte Schwarz in Folge nicht mehr die (schon notwendige) beste Verteidigung finden und so bröckelte die Stellung kurz vor der Zeitkontrolle auseinander.

Brett 4: Walter (2100) gegen Marco Stagl (2132) 1:0
Walter kam ganz ordentlich aus der Eröffnung, eine gewohnte Benoni-Struktur am Brett, wartend auf taktische Möglichkeiten. Im späteren Mittelspiel nach dem Tausch der Springer entstand eine mehr oder weniger „tote“ Spannung im Zentrum: Walter hatte den typischen hängenden d-Bauern, dafür einen mächtigen schwarzen Läufer. Marco probierte dann doch etwas, übersah eine kleine taktische Feinheit und Walter konnte dies gewohnt geschickt in Materialgewinn ummünzen und gewann dann sicher und schnell. Sein zweiter Schwarzsieg in Folge (Zitat von ihm: „Ich glaub das ist jetzt 10 Jahre oder mehr her, dass ich 2x hintereinander mit Schwarz gewinnen konnte). Uns war es sehr recht, und sein „Schwarzfluch“ sollte damit auch „verflucht“ sein…

Brett 5: Mikey (2000) gegen Andreas Wieser (2113) 0,5:0,5
Der fleißige Elosammler (steht schon bei ca. 2100!) hatte eigentlich auch eine sehr schöne und solide Stellung nach der Eröffnung. Ihm selbst gefiel dies aber nicht so besonders gut, deshalb ließ er diesmal etwas mehr Vorsicht walten und probierte nicht wie zuletzt kämpferisch und bedingungslos auf Sieg zu spielen, sondern segelte mit der nötigen Sicherheit in den Remishafen. Nicht nur mit seiner guten Form und seinem soliden Spiel, sondern vor allem durch seinen Einsatz und sein Engagement am Brett und vor allem auch rund ums Vereinsgeschehen ist er eine große Stütze für die Mannschaft und den gesamten Klub. Danke und weiter so FM in spe!

Brett 6: Martin K. (2045) gegen Alexander Schriebl (2057) 0,5:0,5
Laut eigener Aussage ist „Knolli“ derzeit ein bisschen Schachmüde (als Postbediensteter gehört er ja zur Risikogruppe der Volkskrankheit „burn out“. Diese „Ausgebranntheit“ oder auch „innere Leere“ befällt ja sogar – oder hauptsächlich – die Gebäude – und das speziell nachmittags besonders Freitags…), Alex ist ein weiterer (gern gesehener) Gast in Gleisdorf, Elo sind fast ident: Was soll ich über diese Partie schreiben? Leider kann ich gar nichts darüber berichten, denn während diese Partie im Gange war, bestellte ich mir gerade ein Spezi in der Gaststube…

Brett 7: Felix (1777) gegen Konstantin Meglitsch (2055) 1:0
Knapp 300 Elo-Unterschied machten Felix nach der Papierform zum krassen Außenseiter. Am Brett bemerkte man dies aber nicht. Felix spielte nicht nur frech mit, sondern kam nach und nach immer besser ins Spiel. Es war wohl wieder einmal einer dieser Tage, bei dem alles für ihn lief und der Riesen-Elo-Killer schlug gnadenlos zu. Im Turmendspiel hatte er 2 Bauern mehr. Seine ihm von Natur aus gegebene leicht überdurchschnittliche Nervosität wurde durch den unmittelbar bevorstehenden Sieg zwar noch offensichtlich etwas verstärkt, doch seine Erfahrung, sich von Elo-Schwergewichten (siehe G.Schnider) nicht mehr die Butter vom Brot nehmen zu lassen, führte seine doch etwas zittrige Hand sicher zum wohlverdienten und letztlich entscheidenden Punkt für unser Team. Grat Felix!

Brett 8: Manuel (1245) gegen Leevi Lymysalo(1499) 0,5:0,5
Manuel ist für mich definitiv die positive Überraschung in diesem Jahr. Als Gleisdorfer ist man in den letzten Jahren durch die „goldene“ Generation am Jugendbrett sowieso enorm verwöhnt (Jugendspieler jenseits oder um die 2000er Marke und annähernd dieser Spielstärke…), und so sahen wir vor der Saison sehr traurig auf unsere „next Generation“. (sinngemäßes Zitat unseres Kapitäns: Früher war nach 10 Zügen am Jugendbrett in dieser Preisklasse eine Stellung am Brett, die es gar nicht geben kann…). Manuel widerlegt dies nicht nur in dieser Partie, sondern auch schon in den vorangegangen Matches eindrucksvoll. Bislang stand er nach Eröffnung und zumindest auch größtenteils im Mittelspiel solide mit gutem Aufbau und schönem Positionsspiel auch gegen starke Gegner/innen (z.B. Jasmin Schloffer). Besonders gefiel mir in dieser Partie: Der Springer auf a5 hatte nach c6 kein einziges Rückzugsfeld mehr und nach b4 würde er scheinbar verloren gehen, doch dies vermied er durch eine schöne taktische Finesse. Ein starkes und sehr verdientes Remis. Weiter so Manu!

Nach der Trippel 0 in den ersten drei Runden schafften wir endlich das „Break“, die ersten beiden Punkte sind enorm wichtig für die Tabelle und fürs Selbstvertrauen. Wenn wir jetzt noch nächste Runde dieses „Break“ gegen Leibnitz bestätigen können, wären wir in der Meisterschaft wieder mittendrinn statt nur dabei… Ein großes Lob an das gesamte Team, speziell den „jungen Wilden“!

Bericht: Thomas Sonnberger

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