Bundesfinale Schülerliga Oberstufe

Auch heuer nahm wieder ein Team des BG/BRG Gleisdorf am Bundesfinale für Schülerligamannschaften der Oberstufe teil. Trotz des sehr souverän errungenen Landesmeistertitels standen die Vorzeichen diesmal unter keinem guten Stern.

Schon vor Turnierstart rückte nämlich die erfolgreiche Titelverteidigung in weiter Ferne, da mit Dominik Prem (1742, Matura) und David Lafer (1606, anderer wichtiger schachlicher Termin) zwei Spieler absagten. Somit bestand unser Team aus Maximilian Ofner (2086), Laura Hiebler (1897), Manuel Kulmer (1203) und dem kurzfristig eingesprungenen Philipp Hörmann (0). Vor Turnierbeginn war aufgrund dieser großen Elounterschiede unserer Spieler nur sehr schwer eine Prognose abzugeben. Nach einer neunstündigen Anreise in das ferne Tschagguns in Vorarlberg konnte es am nächsten Tag endlich losgehen.

1. Runde gegen HTBLuVA Salzburg (EloDS: 1252)
Zum Start gingen wir als Favorit in die Begegnung gegen die Mannen aus Salzburg. Doch es entwickelte sich eher eine Zitterpartie für uns. Zwar erwiesen sich Maxi und Laura für ihre Gegner als zumindest zwei Nummern zu groß und gewannen klar, doch auf den hinteren Brettern sah die Welt schon anders aus. Philipp zeigte bei seinem Debüt am Schachbrett eine für alle äußerst überraschend starke Leistung. Nach solider Eröffnung spielte er wie ein Routinier gegen einen gegnerischen rückständigen Bauern. Doch dabei stellte er leider einen Turm und damit die Partie ein. Somit fiel die Entscheidung auf Brett drei. Hier landete Manuel gegen einen etwa gleichstarken Gegner in einem Bauernendspiel. Dabei verabsäumte er mehrmals eine technische Remisstellung zu erreichen, sodass der Gegner in der Lage war eine neue Dame aufzustellen. Doch zum Glück gelang es ihm nicht mehr Matt zu setzen, da die Klappe fiel. Dies bedeute für uns ein schmeichelhaftes Remis und damit einen knappen 2½:1½ Mannschaftssieg.

2. Runde gegen BG Dornbirn (1741)
Danach ging es gleich gegen einen der Turnierfavoriten, welcher jedoch aufgrund eines Ausfalles nur mit drei Spielern antreten konnte. Somit durfte sich Philipp über einen Gratispunkt freuen. Trotzdem schienen wir zuerst in eine Niederlage zu rennen. Manuel stand gegen Laslo Nussbaumer (1720) von Anfang an auf verlorenem Posten und musste sich bald dem Kontrahenten beugen. Maxi vergurkte sich gegen Enno Proyer (1966) in der Eröffnung und Lauras Gegenüber Vincent Nussbaumer (1771) spielte ein scheinbar gutes Opfer. Doch wir zogen noch einmal den Kopf aus der Schlinge. Das Opfer erwies sich als falsch und Laura hatte keine Probleme den dadurch gewonnenen Materialvorsprung zum Sieg zu verwerten. Auch am Spitzenbrett geschah eine für nie möglich gehaltene Wende. Maxi, der nach der Eröffnung eine kleine Königswanderung unternehmen musste und zudem zwei Bauern verlor, fischte im Trüben. Aus heiterem Himmel zauberte er ein Damenopfer aufs Brett. Dieses schien zuerst nur eine Verzweiflungstat zu sein, doch dadurch gelang er plötzlich zu starkem Gegenspiel, welches sein Gegner nur mit äußerst genauen Zügen im Keim ersticken hätte können. Doch dies erwies sich als zu schwer und somit musste er Material zurückgeben, womit sich die Partie auf einmal im Remisbereich befand. Doch Maxi, nun mit psychologischem Vorteil, legte nach und konnte sogar noch den ganzen Punkt einfahren. Damit hieß es am Ende 3:1 für Gleisdorf und wir befanden uns auf einmal an der Tabellenspitze.

3. Runde gegen BRG Innsbruck (1495)
Maxi wollte sein Glück nicht überstrapazieren und gab rasch gegen Moriz Binder (2109) Remis. Da zeigte Laura schon mehr Kampfgeist, doch ihre Gegnerin Chiara Polterauer (1872) ließ nicht viel anbrennen, sodass das logische Ergebnis auch hier Remis hieß. Somit waren wieder die hinteren Bretter gefragt. Hier zeigte Manuel seinem Gegner im Turmendspiel die Grenzen auf und gewann gleich fünf Bauern. In scheinbar hoffnungsloser Stellung griff sein Gegenüber jedoch noch einmal in die Trickkiste und wehrte sich aufgrund eines Pattschmähs noch zäh. Doch Manuel bewies starke Nerven, behielt den Überblick und heimste, wenn auch mit etwas Verspätung, den wichtigen ganzen Punkt ein. Philipp zeigte wieder eine starke Eröffnung, geriet danach aber aufgrund einiger taktischen Überseher ins Hintertreffen und verlor. Damit gaben wir mit dem 2:2 erstmals einen Mannschaftspunkt ab, lagen aber dennoch etwas überraschend nach dem ersten Tag in den Top drei.

4. Runde gegen GRGORG Wien 22 (1454)
Die Wiener konnten eine äußerst kompakte Mannschaft aufbieten, was für uns hieß: auf den vorderen Brettern klarer Favorit, auf den hinteren klarer Außenseiter. Die Partie nahm dann auch den erwarteten Verlauf. Einzig Maxi hatte ein wenig mehr zu kämpfen als ihm lieb war. Er zeigte aber bei schon knapper Bedenkzeit seine Klasse und gewann. Auch Laura siegte, dafür mussten Manuel und Philipp die erwarteten Niederlagen einstecken. Mit diesem weiteren Mannschaftsunentschieden lagen wir unverändert auf Rang drei.

5. Runde gegen HTBLA Eisenstadt (1077)
Diesmal musste ein klarer Sieg das Ziel sein und Maxi, Laura und Manuel erledigten ihre Pflichtaufgaben auch souverän. Die Highlights der Runde spielten sich eindeutig auf Brett vier ab. Zuerst kam der Burgenländer ein paar Minuten verspätet und schaltet gleich einmal die schon in Gang gesetzte Uhr aus und startet sie neu. Danach schlug der Läufer auf a3 den Turm auf e8, womit Weiß plötzlich einen weiteren weißfeldrigen Läufer besaß. Unbemerkt wurde die Partie fortgesetzt und würde man unseren Physik-Guru F. B. befragen, er würde die kurvenförmige Bahn des Läufers wohl mit Hilfe der Raumkrümmung erklären. Daraufhin würde wohl unser abwesende Musterschüler D. P. ihn fragen, ob dies alles auch bei Überlichtgeschwindigkeit möglich sei. Doch das ist eine andere Geschichte und ich will euch damit nicht länger nerven. Fakt war, dass Philipp sich noch einmal aufraffte und einen Turm zurückgewann, was seinem Gegenüber veranlasste aufzuspringen und die Hände vors Gesicht zu schlagen. Doch Philipp hatte trotz dieses Materialgewinnes noch immer weniger Figuren, was schließlich den Unterschied ausmachte. Nach langem Kampf gewann der Mann aus Burgenland diese historische Partie.

6. Runde gegen BRG/BORG Feldkirch (1379)
Die Vorarlberger schonten ihren nominellen Mann auf Brett zwei, sodass wir voll auf Sieg eingestellt waren. Maxi opferte in der Eröffnung einen Bauern, wofür er sehr starkes Gegenspiel erhielt, da der gegnerische König noch in der Mitte platziert war. Als er den vermeintlichen Todesstoß setzte, gab sein Kontrahent Michael Kuhn (1852) auf. Zum Glück, denn er hätte sich mit einem Dauerschach, das beide Seiten nicht sahen, noch retten können. Laura spielte sehr solide und gewann sicher. Auf Brett drei passierte lange nichts, bis Manuel etwas ungeschickt die g-Linie für den Gegner öffnete. Er bekam zwar dafür einen Bauern, doch sein Gegenüber drohte ständig in seine Stellung entscheidend einzubrechen. Hier durften wir uns glücklich schätzen, dass sich die beiden danach bald auf Remis einigten. Philipp spielte wieder eine für ihn typische Partie: Nach der Eröffnung erreichte er eine aussichtreiche Stellung, doch im Mittelspiel überrumpelte ihn der Gegner taktisch. Dies bedeute Material- und Partieverlust. Damit feierten wir einen knappen, aber umso wichtigeren 2½:1½ Sieg, was in der Gesamtwertung der zweite Rang nach Tag zwei bedeutete. Wir waren also noch immer voll und ganz im Kampf um die Spitzenplätz.

Runde 7 gegen Europagymnasium Klagenfurt (1784)
Nun kam es zum Spitzentreffen der beiden führenden Mannschaften, wobei wir klar in der Außenseiterrolle waren. Doch wie schon so oft im Turnier war auf unsere beiden Topspieler Verlass. Maxi zeigte eine beeindruckende Leitung und zerlegte Florian Hribernig (1888) mit einem schönen Königsangriff nach allen Regeln der Schachkunst. Laura trumpfte gegen Christoph Opietnik (1845) mit ihrer taktischen Klasse auf und gewann im Endspiel eine Figur und Partie. Manuel und Philipp wehren sich beide lange, mussten am Ende aber die deutliche Eloüberlegenheit ihrer Kontrahenten akzeptieren. Diesen Unentschieden hielt uns weiter auf Rang zwei.

Runde 8 gegen BG/BRG Tulln (1506)
Auch in der nächsten Runde wartete auf uns eine unangenehme Mannschaft. Manuel kam relativ rasch in ein Bauernendspiel mit Chancen für beide, gab dort aber Remis. Philipp begann stark und hätte zumindest ein Dauerschach forcieren können. Allerdings sah er diese Möglichkeit zu seinem ersten erspielten Punktegewinn leider nicht und mit zunehmender Dauer kippte die Partie immer mehr zu seinen Ungunsten bis er sich beugen musste. Dafür war Laura gegen Tobias Berger (1800) wieder mit ihrem taktischen Können zur Stelle. Mit einem schönen Figurenopfer brachte sie den gegnerischen König zu Fall. Davon konnte Maxi gegen Emanuel Högl (1803) nur träumen. Nach fehlerhafter Eröffnung verfinsterte sich seine Lage immer mehr und seine Figuren hatten kaum noch Felder zu ziehen. Seine Aufgabe schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, doch er zeigte neuerlich seine kämpferischen Qualitäten. Er rettete sich in die beidseitige Zeitnot, wo sein Gegner eine Stellungswiederholung forcierte. Ein äußerst schmeichelhaftes X, da er in selber Stellung auch einen Damengewinn am Brett gehabt hatte. Nun stand nur noch eine Runde am Programm und wir waren noch immer an zweiter Stelle.

Runde 9 gegen HTL Wels (1430)
Die Ausgangslage war wie folgt: Ein Sieg würde Platz zwei bedeuten, ein Mannschaftunentschieden Rang drei und eine Niederlage Position vier in der Endwertung. Das Erreichen des ersten Platz war hingegen nur noch theoretischer Natur. Äußerst motiviert gingen wir in diese Begegnung, allerdings auch gewarnt, mussten wir in den letzten Jahren schon sehr oft gegen oberösterreichische Mannschaften schmerzhafte Niederlagen hinnehmen. Doch diesmal schien es deutlich besser zu laufen. Manuel und Philipp gewannen je eine Figur, Laura kam blendend aus der Eröffnung, nur Maxi hatte nicht die beste Stellung, dafür einen klaren Zeitvorteil. Der zweite Rang war zum Greifen nahe. Trotz der guten Ausgangslage entwickelte sich eine Nervenschlacht. Zuerst geriet Maxi immer mehr unter Druck und konnte sich glücklich schätzen, dass der Gegner Remis gab. Auch auf den anderen Brettern verlief es nun nicht mehr nach Wunsch für uns. Philipp verlor leider den Faden und übersah einige taktische Drohungen des Gegners und musste die Patschen strecken. Doch noch war nichts passiert, immerhin hatte Manuel noch eine Mehrfigur plus einen gefährlichen Freibauern und auch die Stellung von Laura schien aussichtsreich. Allerdings kam der nächste Rückschlag relativ rasch, da Manuel Remis gab. Nun war der zweite Platz definitiv weg, aber die Bronzemedaille war noch in Reichweite. Nun lag es an Laura diese zu fixieren, doch ihr Kontrahent wehrte sich zäh und so musste in der Zeitnot die Entscheidung fallen. Hier ließ Laura leider einige Gewinnchancen aus, sodass sich ihr Vorteil verflüchtigte und sie in einem ungleichfärbigen Läuferendspiel landete. Hier gewann sie zwar noch einen Bauern, doch für den Gewinn reichte das nicht. Somit war es nun bittere Realität: Wir waren auf den undankbaren vierten Rang abgerutscht.

Fazit: Vor dem Start hatten uns aufgrund der Ausfälle wohl nur wenige auf der Rechnung für einen absoluten Spitzenplatz. Daher dürften wir mit dem vierten Rang normalerweise sehr zufrieden sein, doch nach diesem Turnierverlauf schmerzte natürliche die verpasste Medaille. Trotzdem ein dickes Kompliment an die Mannschaft.

Maximilian Ofner (7½/9, Eloperformance: 2015)
Er zeigte wieder einmal seine spielerische Klasse, was gepaart mit seinen kämpferischen Qualitäten die meisten Gegner zur Verzweiflung brachte.

Laura Hiebler (8/9, Eloperformance: 1978)
Auch sie konnte vollkommen überzeugen. Vor allem taktisch war sie ihren Gegenübern meist überlegen und sicherte so viele wichtige Punkte.

Manuel Kulmer (4/9, Eloperformance: 1266)
Er spielte im Rahmen seiner Möglichkeiten und machte oft einen entscheidenden halben Punkt.

Philipp Hörmann (1/9, Eloperformance: 343)
Es hört sich zwar angesichts der Ergebnisse wie ein Aprilscherz an, doch er war für mich die positive Überraschung des Turniers. Für jemanden, der noch nie zuvor etwas mit Turnierschach am Hut hatte, zeigte er unglaublich starke strategische Fähigkeiten. Aufgrund seiner fehlenden Routine und den dadurch fehlenden taktischen Kenntnisse kam es dazu, dass er keinen einzigen Punkt erspielen konnte. Bleibt er weiterhin so motiviert traue ich ihm in nächster Zeit zu sich spielerisch deutlich zu steigern.

Abschließend will ich der Mannschaft noch einmal gratulieren und für die tolle Woche danken. Und mittlerweile weiß ich auch, was unsere Betreuer-Legende H.P. mit dem Satz: „Selbst spielen ist ja leicht, doch als Betreuer zuschauen, dass lässt bei einem graue Haare wachsen.“ meinte.

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